Theateraufführung: Literatur- und Theaterkurs (J2) interpretiert den Roman „1984“ neu

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Wie würde unser Alltag aussehen, lebten wir unter einer allumfassenden Überwachungsdiktatur? Wenn Kameras nicht nur an öffentlichen Plätzen, sondern sogar in Wohnzimmern, Klassenräumen und Kinderzimmern installiert wären, wenn Meinungsfreiheit abgeschafft, Sprache manipuliert und Sicherheit konsequent über Freiheit gestellt würde? Wenn jeder Schritt, jedes Wort und jede Begegnung beobachtet und verfolgt werden würde?

Von George Orwells dystopischem Roman 1984 inspiriert, setzten sich Schüler*innen des CBG im Rahmen des Literatur- und Theaterkurses gemeinsam mit ihrer Lehrerin Katrin Brucker-Janßen mit genau solch einem beklemmenden Szenario auseinander.

Doch wie bringt man diese Vision auf die Bühne? Die Schüler*innen schrieben das Stück eigenständig um und aktualisierten und inszenierten es selbst. Als Ausgangspunkt nutzen sie einen brillanten Wissenschaftler (Andrii Kudelia), der einen Überwachungsapparat für jedermann erfindet. Doch früh kommen ihm Zweifel: Schaffe ich mit meiner genialen Erfindung einen sichereren oder einen gefährlicheren Staat? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten:

Durch das Gerät, ein allsehendes Auge, entsteht eine Überwachungsgesellschaft, in der ein Arbeiterkind (Felix Köhler) und die Tochter einer Richterin (Lena Strauch) aufwachsen. Die beiden Hauptfiguren haben es nicht gerade leicht: In der Schule, dem Ort radikaler Indoktrination, gilt plötzlich 2+2 sei 5: Eigenständiges Denken wird systematisch unterdrückt und Gehorsam eingefordert. „Hassunterricht“ statt Ethik, blinder Gehorsam statt Wahrheit und Gleichschaltung statt Individualität bestimmen ihr Leben. Diese permanente Unterdrückung, die durch die Schauspielkunst der Schüler*innen, kreative Mittel wie rotierende Augen, Sprechrhythmen und beeindruckende Lichteffekte von Seiten der Technik-AG großartig dargestellt wurde, treibt sie schließlich in die Rebellion. Ihr Wunsch nach Freiheit und dem Sturz des Systems sowie ihr Mut, die Welt zu verändern, bringen sie aber in große Gefahr. Die Widerstandsbewegung wächst immer mehr – bis zu dem Punkt, an dem das Arbeiterkind zusammengeschlagen und bewusstlos wird, was verdeutlicht, wie erbarmungslos ein solches System vorgehen kann.

Ein eindrucksvolles Highlight der Aufführung war die inszenierte Demonstration: Aus allen Ecken stürmten plötzlich bunt gekleidete Protestierende auf die Bühne, die ihre Stimme erhoben, Flugblätter verteilten und sich trotz des Risikos dem Regime widersetzten. Sogar wir Zuschauer*innen wurden in ihre Sprechchöre eingebunden und von der Stimmung mitgerissen.

Am Ende ließ das Ensemble das Publikum mit einer beunruhigenden Frage zurück: Sind Smartphones durch Algorithmen und Tracking womöglich selbst Instrumente subtiler Indoktrination? Schließlich speichern wir bereitwillig unzählige persönliche Informationen auf diesen Geräten – oft ohne ernsthaft über Datenschutz nachzudenken. Bewegen wir uns etwa selbst auf ein System umfassender Kontrolle zu?

Die Aufführung in der „Kiste Ladenburg“ endete in wohlverdienten Standing Ovations: Kein Wunder, die Darbietung ging weit über übliches Schultheater hinaus.

Vielen Dank für diesen unvergesslichen, lehrreichen und unterhaltsamen Abend!

 

Johanna Heggemann, J2

 

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