Abbildung 1 Die Teilnehmer der DSA 2019 in Gaesdonc

Bei der Deutschen SchülerAkademie (DSA) handelt es sich um ein außerschulisches Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für besonders interessierte Schüler der gymnasialen Oberstufe, welches an verschiedenen Standorten in ganz Deutschland in den Sommerferien stattfindet. Innerhalb von 16 Tagen bearbeiten die Teilnehmer Themen, die über den üblichen Lehrplan hinausgehen und eine besondere intellektuelle Herausforderung darstellen. Soweit die Fakten unter denen sich wahrscheinlich der geneigte Leser ebenso wenig vorstellen kann wie die gut 90 Schüler am Tag ihrer Ankunft am Akademiestandort Gaesdonck, einem katholischen Klosterinternat an der deutsch- niederländischen Grenze. Als wir unseren Akademieleiter Stefan fragten, was uns denn jetzt genau erwarten würde, antwortete er nur: „Man kann die DSA nicht erklären, man kann sie nur erleben:“ Dies klingt erstmal nach einer Phrase, trotzdem muss ich nach 16 Tagen Akademie sagen, dass er damit Recht hatte. Auch wenn das diesen Artikel schon vorab zum Scheitern verurteilt, werde ich nun trotzdem versuchen zu erklären, warum ich die Akademie uneingeschränkt weiterempfehlen würde, obwohl sich ein 16 tägiges „Bildungsbootcamp“ grundsätzlich nicht nach etwas anhört, was man sich freiwillig in den Ferien antut.

Oberste Priorität auf der DSA hatte zunächst einmal die Kursarbeit. In den 6 Kursen wurden z.B. die Themen Astronomie, Matrizenrechnung, Sprachwissenschaften oder wie in meinem Kurs das Völkerrecht behandelt. Wer hierbei an trockenen Frontalunterricht denkt liegt allerdings falsch. Vielmehr haben wir uns in Eigenarbeit über wissenschaftliche Texte Wissen angeeignet und dies dann in lebhaften und spannenden Diskussionen über Themen wie: die koloniale Prägung des Völkerrechts, Rechtmäßigkeit von humanitären Interventionen oder die Zersplitterung der internationalen Rechtsprechung angewendet. Unsere Kursleiter, allesamt Doktoranden oder sogar Dozenten, waren hierbei vielmehr Partner, die man zwar alles Fragen konnte, aber niemals belehrend oder autoritär auftraten und uns alle Freiheiten in der Ausgestaltung unseres Kurses ließen. So mussten wir zwar einen wissenschaftlichen Essay schreiben, doch wurde uns bei der Themenwahl völlig freie Hand gelassen, sodass jeder an einem Thema arbeiten konnte, das ihn mehr oder weniger auch persönlich interessierte. Ohnehin wirkte die Abwesenheit jeglicher Art von Bewertung sehr befreiend und half eine deutlich positivere und offenere Atmosphäre innerhalb der Kurse zu schaffen, als es die meisten Teilnehmer aus ihren Schulen gewohnt waren.

Mit der täglich 6-stündigen Kursarbeit war das Programm der DSA allerdings noch lange nicht erschöpft. Im Orchester und dem Chor, konnten sich die zum Teil herausragenden Musiker unter den Teilnehmern ausleben. Dies mündete in ein grandioses Abschlusskonzert. In anderen sogenannten kursübergreifenden Aktivitäten (KüAs (an der DSA gibt es grundsätzlich für alles und jeden eine Abkürzung)), fanden sich Teilnehmer mit ähnlichen Interessen zum Sport machen, schreiben von kreativen Texten auf Poetry Slam Niveau oder einfach zum Reden über Leistungsdruck, um nur einige zu nennen, zusammen. Auch teilten Schüler mit außergewöhnlichen Talenten, hiervon gab es auf der DSA überdurchschnittlich viele, diese mit den anderen Teilnehmern. So konnte es an einem Tag schon mal vorkommen, dass man zusätzlich zur Kursarbeit noch Grundzüge von Mandarin und Aramäisch lernte, dann einen Grundlagenkurs in LaTeX besuchte und zu guter Letzt noch Jonglieren beigebracht bekam, was sich bei mir allerdings als schwieriger als gedacht gestaltete.

Das Schönste an der Akademie waren letztendlich trotzdem nicht die Aktivitäten, sondern Die, mit denen man diese durchführte. Wenn man 90 „positiv Verrückte“ (wer 2 Wochen seiner Ferien freiwillig in einer Art Internat verbringt ist schon irgendwie verrückt), jeder auf seine Art interessante Jugendliche mit ähnlichen Interessen 16 Tage in einem Internat einschließt, dann ist es eigentlich klar, dass etwas sehr Schönes entsteht. So wurde jede Nahrungsaufnahme in der übrigens fantastischen Mensa zum Ereignis, bei dem schon mal 2 Stunden lang über Gott und die Welt diskutiert wurde. Auch sonst fanden sich immer Gelegenheiten zu Gesprächen, die teilweise auch bis spät in die Nacht wahrgenommen wurden. Man könnte fast sagen, dass über die 16 Tage eine große Familie entstanden ist. Und so nehme ich von der DSA nicht nur eine neue Trinkflasche, einen Hoodie und einen USB Stick mit, sondern auch viele neue Erfahrungen und Perspektiven, sowie das Vergnügen viele interessante Menschen kennen gelernt zu haben.

Ich danke dem Carl-Benz-Gymnasium dafür, mich vorgeschlagen zu haben, den engagierten Mitgliedern des Kollegiums, die meine Teilnahme erst ermöglicht haben, sowie der Stiftung Bildung & Begabung, den Kursleitern und allen anderen, die die DSA in dieser Form überhaupt ermöglicht haben.

Tim Schieber